Enwie Kej – Heiß, trocken und für viele Genießer noch ein weißer Fleck auf der Landkarte – willkommen in Portugal. Noch stürzen sich Kenner weltweit vor allem auf Weine aus dem Bordeaux oder aus dem Burgund. Das könnte sich bald ändern: Das Fachmagazin Winery & Spirits hat Niepoort Vinhos gerade zur Winery of the Year gekürt, also zum Weingut des Jahres. Ich hatte den richtigen Riecher – und war vor Ort.

Zu den größten Schätzen des Winzers Dirk Niepoort gehören die riesigen Neun- und Dreizehn-Liter-Flaschen in seinem Weinkeller im Örtchen Vila Nova de Gaia – die Glasballons brachte sein Urgroßvater einst aus Deutschland mit. In ihnen reift der berühmte Tawny Port heran – für viele ist dieser Dessertwein einer der großartigsten der Welt. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1842, einige Portweine stammen aus dem Jahr 1863, bei manchen Blends stammen die jüngsten Komponenten aus 1940 – Zeitreise pur auf dem Gaumen. Alter verpflichtet also, gerade bei Niepoort, das seit anderthalb Jahrhunderten als unabhängiges Familienunternehmen besteht. Und nun hat die Kellerei den Lohn für ihre Jahrzehnte dauernden Mühen geerntet und sich den Titel als Kellerei des Jahres ergattert. Zwar zählt Winery & Spirits noch nicht unbedingt zum unangefochtenen Top-Fachblatt – aber auch andere Gourmets sind auf Niepoort aufmerksam geworden.

Dirk Niepoort stellt die Weichen auf Erfolg

Wein-Papst Robert Parker beispielsweise vergab dem Weißwein Niepoort Vinho Verde Docil immerhin 90 von 100 Punkten. Und der Wine Enthusiast verlieh dem Vintage-Port von 2007 satte 96 von 100 Punkten. Tafelwein erst seit den Achtzigern Erst eine riskante Kehrtwende führte zu diesem Erfolg. Die heute in fünfter Generation geführte Kellerei war ursprünglich ein reiner Portwein-Trader. Erst 1987 begann das Gut mit dem Eintritt des heutigen Chefs Dirk Niepoort mit dem Kauf von Weinlagen in den besten Portweinregionen. Dies war die Voraussetzung für die eigene Produktion. Zeitgleich fand ein Umdenken statt und Niepoort baute in der ariden Region Douro zusätzlichTafelweine an. Während in der Nachbarschaft viele kleine und mittlere Portwein-Hersteller aufgekauft wurden, behauptete sich Niepoort durch die Diversifizierung als eigenständiges Unternehmen.

Der „fabelhafte“ Durchbruch

Den Durchbruch schaffte er 2002 mit seiner Marke „Fabelhaft“. Zwei Jahre später wurden die ersten 40.000 Flaschen in Deutschland verkauft. Und der Wein kommt noch immer an – mittlerweile werden in Deutschland etwa 300.000 Flaschen des beliebten Weines abgesetzt, dies allein entspricht etwa 20 Prozent der gesamten Jahresproduktion des Weingutes.Der Fabelhaft sorgt für Aufsehen Ich empfehle den „Fabelhaft“ als Einstieg in die Niepoort`sche Weinwelt. Der Rotwein, ein Verschnitt der Rebsorten Tinta Roriz, Touriga Francesca, Tinta Barroca, Touriga Nacional und Tinta Cao, bietet Top-Qualität zu einem fairen Preis für rund zehn Euro je Flasche und ist inzwischen zu einer ganzen Kollektion angewachsen mit speziell auf den Zielmarkt abgestimmten und von Künstlern gestalteten Etiketten.

Niepoort Fabelhaft Tinto Roriz 2014 Trocken (1 x 0.75 l)

Tipps aus der Verkostung

Und es gibt weitere Tipps für Ihren Weinkeller: Als ein besonderer Rebensaft gefällt mir der Batuta, hier gerne der Top-Jahrgang 2007. Für eine Flasche müsst Ihr rund 70 Euro einplanen, gekeltert wurden die Sorten Tinta Roriz, Touriga Francesca und Touriga Nacional. Bei der Portweinverkostung ist mir außerdem besonders der 10 Years Old White aufgefallen, er ist für etwa 35 Euro zu haben. Niepoort Weine werden exklusiv von Ardau Weinimport GmbH nach Deutschland importiert und sind unter anderem online unter die-weinquelle.de zu beziehen. Und das hat den Experten von Winery & Spirits geschmeckt: Sie vergaben beispielsweise 94 von 100 Punkten für den Robustus 2008: Der enorm kräftige Wein lagerte vier Jahre in Eichenfässern und kostet um die 50 Euro. Auch der Charme Tinto 2010 erhielt 94 Punkte, er wird aus alten Reben aus dem Tal Vale Mendiz gekeltert, für ihn müssen Sie 60 Euro einplanen.

Wie geht es weiter?

Die neue Ernte sieht prima aus Wahrscheinlich wird sich der Erfolg fortsetzen, wie ein Ausblick für den Jahrgang 2013 erwarten lässt: „Für uns war die Ernte vor allem für Weißweine und Rotweine hervorragend“, erläutert Dirk Nierpoort im Gespräch mit mir. „Die Weine wurden fast alle vor dem großen Regen Ende September geerntet. Sie sind tief in der Farbe, haben eine sehr gute Säure – der Hauptgrund weshalb ich so früh gelesen habe-  und sind sehr leicht im Alkohol. Auch mit der Ernte der Portweine bin ich dieses Jahr sehr zufrieden.“ Und was plant Nierpoort als nächstes? „Wir haben ein spannendes Projekt in der Region Bairrada laufen, das ist für mich das beste Terroir in Portugal und schon seit 30 Jahren meine große Liebe. Die Verbindung von den tollen kalkigen Böden, dem moderaten atlantischen Klima und den schönen Traubensorten – Bical, Arinto und Maria Gomes bei den Weißweinen und Baga bei den Rotweinen – versprechen im Zusammenhang mit sehr alten Reben ein Riesen-Potential. Wir werden dieses Jahr kleine Menge vom Jahrgang 2010 und 2011 auf den Markt bringen!“ Experimente – aber nicht beim Korken Und weiter: „Die Rotweine des Jahrgangs 2011 sind generell sehr gut gelungen. Ich habe den Vertente, Redoma, Batuta und Charme kompromisslos zusammengesetzt. Ich denke, alle vier sind die besten die wir hergestellt haben. Wir werden auch einen neuen Rotwein abfüllen, ich habe aber noch keinen Namen dafür. Er stammt von dem ältesten Weinberg, den ich im Douro kenne. Es werden 2000 Liter von einem großartigen Rotwein aus dem Jahr 2012.  Dieses Jahr haben wir auch zum ersten Mal im Douro Weine in Amphoren gegoren. Das ist noch ein Experiment, aber auch das sieht vielversprechend aus.“ Ein weiterer wichtiger Faktor für Genießer: Die Kellerei bleibt dem Korken in der Flasche treu, denn die Firma ist Portugals größter Korkproduzent – während also wegen der immer geringeren Ernte viele Weingüter auf Schraubverschluss, Plastik oder Glas umsteigen, können die Kunden bei Nierpoort auch in Zukunft edle Qualität erwarten. Dirk Nierpoort betont: „Ich sehe überhaupt keinen Grund, keine Korken mehr zu benutzen. Der Naturkorken ist immer noch der beste Verschluss.“