Enwie Kej – Heute liegt bei uns das neue Album der Hamburger Band Odeville mit dem Titel ROM auf dem Plattenteller. Das immerhin schon 6. Album der Nordlichter erscheint am 19. Oktober und liegt uns in der Vinyl-Version vor. Und eines vorweg – Odeville passen für uns in keine Schublade. Jedes Album ist immer wieder anders, als man es vielleicht erwartet hätte. Hören wir uns den neuen Longplayer an und schauen mal, was vom doch schon recht poppigen Vorgänger Phoenix noch übrig geblieben ist.

Video: Odeville – Bitte Ja Bitte Gleich

Kaum dreht sich die Vinyl auf dem Plattenteller, da schreit einem Sänger Hauke Horeis  „Fick Dich!“ entgegen. Nun ja, ein netter Beginn, den ich normalerweise reflexartig skippen würde. Aber der Hintergrund zu diesem Text ist rührend. Enstand dieser doch kurz nach dem Tod von Haukes Vater, als der Sänger diverse Texte noch einmal komplett umwarf – genau wie diesen zu Königreich. Frech wird hier ein Song geboten, der gleich mal nach vorne geht und gleich mal einen Gegenpol zum Vorgänger-Album darstellt. Funkenwalzer wird dann doch wieder poppiger, gar seicht dabei aber überaus melodiös und energiegeladen. Der Titeltrack Rom ist dann von der ganz langsamen Sorte, in der Hauke mit seinem Sprechgesang zum Erzähler wird. Dieser Track wird dank seines Refrains zur Hymne. Augen zu und genau zuhören. Die B-Seite startet mit 8mm klar und aufgeräumt und auch die denkbar hohen Stimmlagen meistert Hauke scheinbar mühelos. Und es gerad diese Tonlagen, die den Song zu etwas Besonderem machen und ihn aus dem Standard Deutschpop-Allerlei herausstechen lässt. Und dann unser Liebling Bitte Ja Bitte Gleich. Ein Song mit richtig Feuer bei dem wir den denkbar einfachen Text mitsingen müssen. „Ich kann gar nicht so viel kotzen wie ich essen kann“. Weiter sind wir mit dem Album dann fast nicht gekommen, der Song gegen Rassismus, Intoleranz und Homophobie lief erstmal in Dauerschleife.

Danach wird es wieder softer, Schwarzfahren Mit Hintergrund überrascht dabei mit einem Refrain, der von der Darbietung fast ein Schlaflied für Kinder sein könnte. Entschleunigung pur. Ein krasser Break nach dem Konzertkracher davor. Mit Verlangsamung der Zeit kommt dann ein Song, in dem der bekante Odeville-Style am ehesten wiedererkennbar ist. Der alte Lichtblick-Vibe kommt gut.

Halb Vier kommt so gar nicht bei uns an. Wunderwerk präsentiert dann wieder einen ganz eigenen Sound, der den „neuen“ Erzählstil der Band wunderbar unterstreicht. Der Refrain passt für uns leider nicht ganz, irgendwie zu aufgedreht. Arnim nimmt uns dann wieder voll mit – „Schrei mich an, so laut du kannst!“ Der würde auch als Kanon funktionieren.  Kreisverkehr ist dann wieder ganz anders. Da mussten wir uns erstmal reinhören. Starke Lyrics, die irgendwie nicht zur Melodie passen will. Aber, „wem das nicht gefällt klebe ich den Mund mit Fliesenkleber zu“. Unser Liebling auf der Platte.

Herr der Gezeiten ist dann weder Schritt noch Galopp, eher trabt der Song so vor sich hin. Für uns der schwächste Song auf einem ansonsten starken Album. Gute Nacht überrascht mit Chorgesang zu Beginn entwickelt sich dann zu einem druckvollen Track mit tiefgründigem Text, der uns fast ein wenig an Selig erinnert. Sehr schöner Titel. Der nächste Titel Arnim wechselt dann auch sein Gesicht wie Jekyll und Hyde. Langsamer glasklarer Gesang und dann rockt es richtig los. Das ist was für die Tracklist fürs Auto.

Wer also deutschsprachigen Indie-Pop-Rock mag, wer Abwechslung mag dem sei dieses Album wärmstens ans Herz gelegt. Die bunte Doppel-Vinyl ist seit dem 19. Oktober im Handel und kostet inkl MP3-Download Kärtchen 26 Euro.

Tracklist Odeville – Rom (Vinyl) amazon_icon

01. Königreich
02. Funkenwalzer
03. Rom
04. 8mm
05. Bitte Ja Bitte Gleich
06. Schwarzfahren Mit Hintergrund
07. Die Verlangsamung der Zeit
08. Halb Vier
09. Wunderwerk
10. Arnim
11. Kreisverkehr
12. Herr Der Gezeiten
13. Gute Nacht
14. 70.000 Meilen

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