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AVANTASIA in Mannheim: Episch – Opus – Tobias

AVANTASIA 2024 in Mannheim. (c) Judith Klein

AVANTASIA 2024 in Mannheim. (c) Judith Klein

Judith Klein – AVANTASIA, das All-Star-Projekt des energiegeladenen Frontmanns Tobias Sammet, gastierte am 05.06.2024 auf dem Zeltfestival in Mannheim und rockte mit 20 Songs gute zwei Stunden das Palastzelt auf dem Maimarktgelände. Auch ganz ohne Pyro-Show fackelte die Band die Bühne ab!

Avantasia – A Paranormal Evening With The Moonflower Society

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Zugegeben, als Wiederholungstäterin wusste ich natürlich im Vorfeld, was ich von einem Abend mit AVANTASIA erwarten durfte. Entsprechend groß war meine Vorfreude, immerhin war das letzte Aufeinandertreffen doch schon eine ganze Weile her. Spoiler vorab: auch dieses Mail ist auf Tobias Sammet Verlass und er zaubert mir mit seiner Show, die audiovisuell einiges zu bieten hat, ein mehr als zufriedenes Lächeln auf mein Gesicht.

Vorgruppe Burning Witches

Doch der Reihe nach: Support Acts bieten bekanntermaßen die Gelegenheit, den musikalischen Horizont zu erweitern und sich mit Bands zu beschäftigen, die man normalerweise nicht auf dem Schirm hat. Mit BURNING WITCHES kommt eine Band aus der Schweiz auf die Bühne, die grundsätzlich im Power-Metall zuhause ist, deren Stücke jedoch teilweise in Richtung Speed-Metal und Thrash-Metal abdriften. Die fünf weiblichen Bandmitglieder Laura Guldemond (vocals), Romana Kalkuhl (guitar), Larissa Ernst (guitar, Backing vocals), Jeanine Grob (bass) und Lala Frischknecht (drums) legen direkt los und präsentieren acht ihrer Songs mit hartem Sound, schnellen Tempi und einer überrollenden Wucht. Auch wenn mir bewusst ist, dass es von der Stimmtechnik her außergewöhnlich ist, die Songs in einer derart hohen Tonlage so kraftvoll zu präsentieren, treffen BURNING WITCHES meinen Geschmack nicht. Das ist mir persönlich zu wenig Melodik und zu viel, was mich eher an Geschrei erinnert.

Avantasia legen los

Nach einer Umbaupause samt Soundcheck geht es weiter. AVANTASIA eröffnet mit Spectres (aus The Mystery of Time, 2013), Reach out for the Light (aus The Metal Opera, 2001) und The Scarecrow (aus The Scarecrow, 2008) die Show und setzt damit ein Statement! Spätestens jetzt wird klar, dass Tobias Sammet uns auf eine Reise durch sein musikalisches, breites Spektrum seiner epischen Songs mitnehmen wird. Und wer auf seine Uhr geschaut hat, stellt fest, dass gerade mal die ersten drei Songs bereits 25 Minuten Konzerterlebnis bedeuten. Sehr oft finden sich AVANTASIA-Songs in Radiosendern-untauglichen Längen von sechs oder mehr Minuten wieder, was wir Fans natürlich lieben und feiern. The Scarecrow schafft es sogar auf fast 12 Minuten Songlänge.

Tobias Sammet, Frontmann von Avantasia. (c) Judith Klein

Es geht munter weiter im Repertoire und AVANTASIA performt Book of Shallows, Draconian Love, The Story ain’t over sowie Alchemy. Tobias Sammet lässt sich ungern in irgendwelche Schubladen stecken und dementsprechend abwechslungsreich sind die AVANTASIA-Songs. Selbst innerhalb der Stücke sind Tempi- und Stilrichtungswechsel nicht selten. Das Genre ist mit Melodic Rock, Power Metal, Symphonic Metal bis Progressive Metal zu umschreiben und mir fällt es schwer, einen Song des Abends benennen zu wollen, weil alle Stücke ihre Besonderheiten aufweisen.

Konzert auf Augenhöhe

Eines der zahlreichen Dinge, die ein AVANTASIA-Konzert unvergleichlich und außergewöhnlich machen, ist, dass Tobias Sammet seine Shows mit erfolgreichen, bekannten und gestandenen Sängerinnen und Sängern flankiert. Dabei performt er gemeinsam seine Songs mit seinen Gaststars auf Augenhöhe. Niemals hat das Publikum den Eindruck, dass Tobias Sammet gesanglich begleitet wird, sondern es klingt wie ein gemeinsames Projekt. So ist es also auch an diesem Abend nicht verwunderlich, dass wir Ronnie Atkins (Pretty Maids), Bob Catley (Magnum), Herbie Langhans (Sinbreed, Beyond the Bridge und Seventh Avenue) und Geoff Tate (Queensrÿche) auf der Bühne erleben. Die beiden Sängerinnen Adrienne Cowan (Seven Spires) und Chiara Tricarico (Ravenworld, Moonlight Haze und Sound Storm) vervollständigen an diesem Abend die Stimmgewalt und ehrlicherweise halte ich es schon für vermessen, hier überhaupt von Backing Vocals zu sprechen. Das sind alles großartige Sängerinnen und Sänger mit einer unfassbaren Range, die die AVANTASIA-Stücke so besonders machen. An diesem Abend gibt es einige musikalische Momente, bei denen wir neben Tobias Sammet alle sechs Stimmwunder gleichzeitig erleben dürfen. Der choral-anmutende Klang fährt einem direkt über den Magen bis in die Haarspitzen und lässt einen staunen, wie es sieben einzelne Personen schaffen, mehr Power als mancher Chor auf die Bühne zu bringen.

Der Song Invincible (aus Moonglow, 2019) wird zunächst nur mit Pianobegleitung angestimmt und gehört damit zu den ruhigeren Titeln des Abends. Anschließend folgen Let the Storm descend upon you, Dying for an Angel, Kill the pain away, Avantasia, Promised Land und Farewell. Kill the pain away ist im Übrigen der einzige Song aus dem jügsten Album A Paranormal Evening With The Moonflower Society aus 2022.

Tobias Sammet kokettiert damit, dass sie im Vorfeld selbst auch nicht so sicher waren, wie denn der musikalische Abend aussehen würde und dass sie in ihrem Alter inzwischen bequem geworden seien. Man setze daher vor allem „auf den alten Kram, den wir nicht mehr so viel proben müssen, weil wir die Songs alle draufhaben“. Erfahrungsgemäß unterhält der Frontmann das Publikum von Zeit zu Zeit mit kleinen Anekdoten und geht gerne mal auf seine Songs ein, wann und wie sie entstanden sind. An diesem Abend betont Sammet allerdings ein paar Mal, dass er gebeten wurde „nicht so viel zu labern, damit wir pünktlich fertig werden“. Er hat damit die Lacher auf seiner Seite und wirkt außerdem sympathisch, authentisch und nahbar. Mit Shelter from the Rain, Mystery of a Blood Red Rose und Lost in Space nähern wir uns dem ersten offiziellen Ende der Show und die gesamte Entourage verlässt die Bühne.

Mit Mystery of a Blood Red Rose trat AVANTASIA im Übrigen im Februar 2016 beim Vorentscheid für den Eurovision Songcontest „Ein Lied für Stockholm“ auf. Der Song war ursprünglich für MEAT LOAF geschrieben, was jedoch aus zeitlichen Gründen nicht zustande kam und deshalb selbst von Sammet selbst eingesungen wurde. Das Stück stammt aus dem Album Ghostlights und gehört zu den wenigen AVANTASIA-Songs, die weniger als 4 Minuten Länge haben.

Es ist ein Opus

Natürlich will auch hier und heute das Publikum mehr, was es lautstark fordert. So dauert es nicht allzu lange, bis Tobias Sammet zunächst allein die Stage betritt, sich an den Flügel setzt, um sich selbst bei dem Unplugged-Part des Songs Lucifer (aus Ghostlights, 2016) zu begleiten. So nach und nach entern aber alle anderen Musiker die Bühne, um dann in den vollelektrischen Schlussspurt einzufallen. Die finalen beiden Songs des Abends sind Sign of the Cross und The Seven Angels und damit ist der Konzertabend dann auch zu Ende.

Fazit: Was für eine Show! Ein Abend mit AVANTASIA ist ein unterhaltsames Erlebnis und bedeutet Power, Vibrato-geschwängerte Falsett-Stimmen, episch-lange Songs mit großartigen Sängerinnen und Sänger, ein farbenfrohes Bühnenbild – also, alles in allem ein richtiges Kunstwerk, weshalb mir an dieser Stelle das Wort Opus einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Auch wenn das nun inzwischen mein 3. AVANTASIA-Konzert war, gehe ich nach Hause mit dem Gedanken „Jederzeit und immer wieder“.

Avantasia Band

Bandmitglieder: Tobias Sammet (Leadvoacals), Felix Bohnke (drums), Sascha Paeth (guitar) Michael Rodenberg (keys), Dirk Schlächter (bass), Arne Wiegand (guitar),

Gastmusiker/Backing vocals: Bob Catley, Ronnie Atkins, Geoff Tate, Herbie Langhans Adrienne Cowan, Chiara Tricarico

Avantasia Setlist

  1. Spectres
  2. Reach out for the Light
  3. The Scarecrow
  4. Book of Shallows
  5. Draconian Love
  6. The Story ain’t over
  7. Alchemy
  8. Invincible
  9. Let the Storm descend upon you
  10. Dying for an Angel
  11. Kill the pain away
  12. Avantasia
  13. Promised Land
  14. Farewell
  15. Shelter from the Rain
  16. Mystery of a Blood Red Rose
  17. Lost in Space
  18. Lucifer
  19. Sign of the Cross
  20. The seven angels
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