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PETER MAFFAY in Frankfurt: Der letzte Vorhang fällt

Judith Klein – Hand aufs Herz: als ich letztes Jahr Peter Maffay auf dem Hessentag in Pfungstadt live erlebte, konnte ich nicht ahnen, dass ein erneutes Wiedersehen schon ein gutes Jahr später folgen sollte. Allerdings war mir, als ich letzten Spätsommer erfuhr, dass Peter Maffay sich im Jahr 2024 von den großen Tourneen und Bühnen verabschieden wird, gleich klar, dass ich unbedingt noch einmal dabei sein muss.

Fotoshow – Peter Maffay in Frankfurt

Peter Maffay auf Abschieds-Tour in Frankfurt. (c) Judith Klein
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Meinem Vorsatz, mich nur noch auf Künstler-nahe Konzerte zu begeben, bin ich zumindest ein Stück weit treugeblieben, in dem ich mir eine Karte für die Front of Stage-Area gegönnt habe. Wenn schon Abschied von den großartigen Liveshows eines Künstlers, den ich seit 1988 unzählige Male erleben durfte, dann doch möglichst nah am Geschehen.

Maffay auf der Harley. (c) Judith Klein

Mit rund 10 Minuten Verspätung geht es los und zunächst läuft auf den Großleinwänden der Videofilm einer Fahrt auf einer Harley-Davidson, begleitet mit dem unverwechselbaren Sound, den eben nur eine Harley machen kann. Nicht sofort erkennbar, aber so langsam dämmert es jedem, dass es MAFFAY persönlich ist, der in dem Video die Harley fährt, während inzwischen die Bandmitglieder so nach und nach die Bühne betreten und die ersten Töne anstimmen. Der Jubel des Publikums wird lauter, als Peter Maffay mit der Harley ins Stadion einfährt, dort eine Runde dreht, um dann mal locker-flockig auf die Bühne zu fahren. Frei nach dem Motto „How to make an entrance“ geht es direkt los mit den Songs Schatten in die Haut tätowiert und Carambolage, bevor Peter Maffay die Menge gebührend begrüßt.

Die Zeitreise beginnt

Maffay Portrait vor dem BRAVO-Cover-Bühnenbild. (c) Judith Klein

Er verspricht dem Publikum, das „inzwischen aus drei Generationen besteht“, eine gemeinsame Zeitreise, „bei der er so einige Erinnerungen wachrütteln möchte“ und kündigt das Lied an, mit dem alles vor über 50 Jahren begonnen hat: Du. Während des Songs flimmern auf den Großleinwänden die verschiedenen, quietsch-bunten BRAVO-Covers der damaligen Zeit – ganz stilecht im grellen 70er-Jahre-Farbmix ergibt das ein mega-cooles Bühnenbild.

Nach Samstagabend in unserer Straße und Weil es Dich gibt freut sich Peter Maffay, dass der „nächste Song endlich einmal in die Jahreszeit passt“. Es ist eine Anspielung auf die immer noch sehr sommerlichen Temperaturen an diesem Abend und inzwischen teilt die Security in der Row Zero gratis Wasser aus. Zu dem Lied Und es war Sommer gibt der Sänger noch eine klare Anweisung, damit das Publikum das dem Song eigenen und typischen Gitarrenmotiv mit einem „Piu! Piu! Piu!“ mitsingen kann. Was für eine Stimmgewalt, wenn ein Großteil der rund 39.000 Besucher nicht immer schön, aber dafür einzigartig das Soundelement imitiert!

Peter Maffay – We love Rock´n´Roll (Leipzig-Live-2024)

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Langjährige Weggefährten mit Gänsehaut-Moment

Wenn Maffay zu Beginn des Abends eine Zeitreise versprochen hat, dann meint er das auch so und holt mit Frank Diez (guitar), Jean-Jacques Kravetz (keys) und Steffi Stephan (bass) seine langjährigen, ehemaligen Bandmitglieder samt ihren Instrumenten auf die Bühne, um gemeinsam Eiszeit zu performen. Nicht ohne einmal mehr in Anspielung auf das aktuelle weltpolitische Geschehen die inhaltliche Aktualität des über vierzig Jahre alten Songs zu betonen. Im Publikum werden auf einmal zahlreiche, weiße Luftballons in Herzform aufgeblasen und mich ereilt ein weiterer Gänsehaut-Moment, als Frank Diez ein bewegendes Gitarrensolo hinlegt. Kaum zu toppen denke ich noch, als im letzten Drittel des Songs auf einmal Johannes Oerding die Bühne betritt und in den Song einsteigt. Oerding, aus der deutschen Popmusik- und Songwriter-Szene nicht mehr wegzudenken, begeistert mit seiner unfassbaren Stimme und legt sich in perfekter Harmonie über Maffays Gesang.

Emotionale Momente

Peter Maffay und Johannes Oerding. (c) Judith Klein

Peter Maffay beschreibt die Begegnung mit Johannes Oerding als glückliche Fügung, bei der eine tiefe Freundschaft entstanden sei und im Publikum spürt man förmlich die gegenseitige Wertschätzung, als beide Liebe wird verboten und Blinde Passagiere singen. Von Maffay erfahren wir an dieser Stelle, dass beide, neben der tiefen musikalischen Verbundenheit, auch eint, ihre Väter verloren zu haben. Der Song Wenn wir uns wiedersehen, der unter anderem von Johannes Oerding und Peter Maffay geschrieben wurde, verarbeitet genau dieses Thema. Emotions overload – aber auf gute Art – als die beiden den gefühlvollen Song interpretieren. Beide Stimmen bilden dabei eine unbeschreibliche Harmonie-Symbiose, die direkt ins Herz tritt. Um mich herum nicht Wenige, bei denen die Tränen fließen – mich dabei miteingeschlossen.

Kontrastprogramm

Nach dem sehr emotionalen Teil der Show kündigt Peter Maffay ein krasses Kontrastprogramm an und die Menge reibt sich verwundert die Augen, als Bülent Ceylan im Schottenrock-Outfit die Bühne betritt. Klingt zunächst einmal so, als ob der Spagat zwischen puren Emotionen und teilweiser derber Comedy kaum zu schaffen ist, aber irgendwie gelingt es Bülent Ceylan mit seinen Sprüchen die Stimmung im Stadion wieder zu lockern: „Da muss halt der Türke wieder ran“ und zeigt Maffay mit Hilfe des Publikums den Unterschied zwischen einer deutschen und einer Schweizer La Ola-Welle im Stadion. Gemeinsam performen Maffay und Ceylan noch einen Song gegen Rassismus Anders Gleich, bevor der Comedian dem Hauptact des Abends die Bühne wieder überlässt.

Nach der gefühlvollen Ballade Tiefer performt Maffays Sohn, Yaris seinen aktuellen Song Abenteuer bevor es mit Gelobtes Land zu Der Mensch, auf den du wartest übergeht.
Im wahrsten Sinne des Wortes wartet hier eine Überraschung auf das Publikum, als die US-amerikanische Sängerin Anastacia die Bühne betritt, um gegen Ende in das Lied – wohlgemerkt in deutscher Sprache – einzusteigen.

Der Anastacia Part

Maffay und Anastacia. (c) Judith Klein

Eingefleischte Fans wissen natürlich, dass Anastacia und Peter Maffay mit Just You eine englische Version des 70er-Jahre-Schagers So bist Du aufgenommen haben, die sie nun gemeinsam zum Besten geben. Was soll ich sagen? Kann man sicherlich machen und ist irgendwie auch “nice”, allerdings erreicht es mich an diesem Abend gefühlsmäßig nicht so ganz. Ich ertappe mich dabei, dass ich mir an dieser Stelle Peter Maffay wieder auf die Bühne wünsche – schlussendlich soll das doch das letzte Mal sein, dass wir so in diesem Rahmen aufeinandertreffen.

Anastacia, für ihre soulige Rockröhre bekannt, bekommt noch die Stage, um ihre beiden Klassiker Left outside alone und I‘m outta love zu performen. Dann wird es noch einmal rockiger, als Anastacia gemeinsam mit Linda Teodosiu den AC/DC-Klassiker You shook me all night long zum Besten gibt und ich spüre, wie ein Ruck durch die Menge geht. Zu dieser Zeit dauert das Konzert schon weit über zwei Stunden und spätestens jetzt ist klar, dass heute absolutes Durchhaltevermögen nötig ist. Das ist es aber, was wir Fans an Peter Maffay schätzen und lieben: keine „90-Minuten-reichen-völlig-Danke-bis-zum-nächsten-Mal“-Show, sondern „wir- machen-noch-ein-bisschen-weiter-Musik“. Dabei kann man schon mal fast vergessen, dass der Deutsch-Rocker in Kürze seinen 75. Geburtstag feiern wird.

Johannes Oerding kommt zurück

Nach der Soul-Rock-Einlage erzählt Maffay, wie vor mehr als 40 Jahren ein kleiner grüner Drache die musikalische Welt erblickte und mit Tabaluga eine wunderbare Reise begonnen hat. Das Bühnenbild wird ein wenig bunter und Peter Maffay berichtet, wie sehr ihm seine Stiftung, die sich um traumatisierte Kinder kümmert, am Herzen liegt. Klar, dass das ureigenste Lied aus Tabaluga oder die Reise zur Vernunft Nessaja nicht fehlen darf, wozu auch Johannes Oerding die Bühne wieder entert, um gemeinsam mit Maffay sowie dem gesamten Publikum den Song zu interpretieren.

Der letzte Vorhang fällt

Nach dem Karat-Song Über sieben Brücken musst du gehn und Sonne in der Nacht, bei denen ebenfalls das komplette Stadion mitsingt, verlassen die Musiker die Bühne, um kurz darauf die beiden Zugabe-Titel Glaub an mich und Mein Wort zum Besten zu geben.

Der letzte Vorhang. (c) Judith Klein

Während des letzten, neuen Songs wird der Refrain auf den Leinwänden eingeblendet. Gerade so, als ob Peter Maffay es uns Fans auch noch einmal schriftlich mitgeben möchte: „Ab heute für die Ewigkeit, bleibt das für immer uns’re Zeit. Auch wenn der letzte Vorhang fällt, ich geh‘ noch nicht fort – ich geb‘ Euch mein Wort“.

Farewell Peter!

Und dann ist es wirklich vorbei: das Abschiedskonzert mit über 3 Stunden voller Energie, Emotionen, Gänsehaut-Momenten, Tränen, Liebe, Lachen, Leidenschaft, Musik einer 55-Jahre andauernden Karriere – meine persönliche Gefühlsachterbahn spielt völlig verrückt, aber ich möchte Peter Maffay glauben, wenn er versichert: „Es ist kein Abschied von der Musik. Es ist der Abschied von der großen Tourneebühne“.

Bandmitglieder: Peter Keller (guitar), JB Meijers (guitar), Pascal Kravetz (keys), Ken Taylor (bass), Bertram Engel (drums), Frank Mead (saxophone), Tom Beek (saxophone)
Backing vocals mit Charlie Klauser, Yaris Maffay, Leon Taylor und Linda Teodosiu

Setlist Peter Maffay Frankfurt

  1. Schatten in die Haut tätowiert
  2. Carambolage
  3. Du
  4. Samstagabend in unserer Straße
  5. Weil es Dich gibt
  6. Und es war Sommer
  7. Eiszeit (mit Johannes Oerding)
  8. Liebe wird verboten (mit Johannes Oerding)
  9. Blinde Passagiere (mit Johannes Oerding)
  10. Wenn wir und wiedersehen (mit Johannes Oerding)
  11. Anders Gleich (mit Bülent Ceylan)
  12. Tiefer
  13. Abenteuer (Yaris)
  14. Gelobtes Land
  15. Der Mensch, auf den du wartest (mit Anastacia)
  16. Just You (mit Anastasia)
  17. Left outside alone (Anastacia ohne Peter Maffay)
  18. I‘m outta love (Anastacia ohne Peter Maffay)
  19. You shook me all night long (Anastacia & Linda Teodisiu)
  20. Nessaja (mit Johannes Oerding)
  21. Über sieben Brücken musst du gehn
  22. Sonne in der Nacht

Encore

  1. Glaub an mich
  2. Mein Wort

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