Judith Klein – Natürlich ist die Frage, ob es einen Sinn ergibt, dass ich innerhalb weniger Monate zweimal ein Rockkonzert derselben Band besuche, gestattet. Gleichwohl werde ich diese – möglicherweise mit einem klitzekleinen Hauch von trotzigem Unmut – mit einem deutlichen „Ja!“ beantworten. Und um es gleich vorwegzunehmen: bei der nächsten Kissin‘ Dynamite-Show in meiner Nähe bin ich wieder dabei. Nicht, weil ich davon überzeugt bin, dass mich eine „Jetzt erst recht!“-Mentalität weiterbringt, sondern einfach, weil ein Abend mit dieser Band rundherum glückselig macht und nach mehr verlangen lässt. Deshalb: nach der Kissin´Dynamite-Show in Fulda gibt es für mich auch noch die Show im Schlachthof in Wiesbaden.
Inzwischen haben Kissin‘ Dynamite im Juli 2024 ihr neues Album Back With a Bang veröffentlicht und es in ihrer 17-jährigen Bandgeschichte tatsächlich geschafft, zum ersten Mal auf Platz Nr. 1 der deutschen Albumcharts zu gelangen. Wie könnte man einen solchen Erfolg besser feiern als bei einem Rockkonzert-Abend?
Kissin` Dynamite – Back With A Bang!
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Let the party begin

Unterstützt werden Kissin‘ Dynamite von zwei Support-Acts und AirStrike eröffnet den musikalischen Abend. Die vierköpfige Band aus Nordhessen „teilt sich ihre gemeinsame Leidenschaft für Rock’n’Roll und energiegeladener Musik“, wie es auf ihrer Homepage zu lesen ist. Als die Band mit dem Leadsänger, Julio Noriega, die Bühne betritt und die ersten Takte von Soul Right anstimmt, denke ich sofort, dass hier jemand musikalisch wie auch ein wenig äußerlich von Guns N’Roses beeinflusst wurde. Daher wundert es mich nicht, als ich bei der Recherche feststelle, dass Julio bereits 2022 mit November Rain von Guns N’Roses an den Blind Auditions von The Voice of Germany teilgenommen hat. Im Nachhinein kann ich mich an den Auftritt sogar erinnern und tatsächlich: Julios Stimme hat genau diese kratzige und im besten Sinne rotzige Stimmfarbe, wie sie bei Axl Rose zu seinem Markenzeichen wurde.
AirStrike hat einen bunten Blumenstrauß mit sechs Songs aus ihren beiden Alben S*x Sells (2024) und Red Born Reborn (2023) mitgebracht. Die Setlist ist abwechslungsreich und versprüht diesen typischen Rock’n’Roll-Party-Charme, bei dem man unweigerlich ganz viel Spaß hat. Der Titel Promised Land gehört dabei zu meinem persönlichen Favoriten und ich schicke hiermit ein großes, virtuelles Like für die Band. Den bösen Zungen, die behaupten, keine Band mache mehr Musik wie damals in den 80ern, sage ich nur: stop whining und hört euch die Songs von AirStrike an!
Let there always be Rock
Mit Massive Wagons kommt eine britische Rockband, die den Ruf hat, eine hervorragende Live-Band zu sein und in diesem Jahr auch schon beim W:O:A aufgetreten ist.

Was mich persönlich an Rockmusik schon von jeher fasziniert hat, sind die vielseitigen, unterschiedlichen Stilrichtungen, die alle ihre Daseinsberechtigung haben, um zu diesem Genre zu zählen. Diese Bandbreite findet sich auch bei den Songs von Massive Wagons wieder: von Punk-Rock über Pub-Rock und klassischem Rock bis hin zu Country-Rock finden sich alle möglichen musikalischen Einflüsse in ihren Songs wieder, so dass man die Band keinesfalls in eine Schublade stecken könnte. Kritikern stößt möglicherweise an der Stelle auf, dass Massive Wagons sich nicht so klar positioniert, wie man das vielleicht von anderen Rock-Bands kennt. Ich beurteile jedoch nicht nach Positionierung, sondern ausschließlich danach, ob mir gefällt, was ich sehe und höre. Fazit: Mich hat Massive Wagons direkt erreicht. Einige Songs animieren zum Mitgrölen, wie bspw. A.S.S.H.O.L.E und F*ck the Haters andere Titel wiederum klingen – und das meine ich keineswegs despektierlich – Radio-tauglich wie Missing on TV und Please Stay Calm. Auch hier Daumen hoch für den zweiten Support-Act. Der Konzert-Abend hat schon jetzt gute Chancen, mit meinem persönlichen Prädikat „Jackpot“ ausgezeichnet zu werden.
With a Bang

Dann wird es Zeit für den eigentlichen Haupt-Act des Abends: Kissin‘ Dynamite entert die Stage und ein Knall gibt den Startschuss für die Show, die mit dem Titel-Track des aktuellen Albums Back With a Bang losgeht. Die Menge, schon vorher durch die beiden großartigen Vor-Bands angefixt, geht ohne große Anlaufschwierigkeiten direkt mit und feiert die ersten Songs der Setlist.
Es macht Spaß, die Band mit ihrer unfassbaren Energie zu erleben. Dabei gelingt es Kissin‘ Dynamite, zwischen den einzelnen Performances immer im richtigen Augenblick auch ihre Botschaften mitzuteilen. Es lässt die Musiker nahbar erscheinen, wenn der Frontmann zugibt, dass sie noch nie so viel Bammel vor einer Tour wie vor dieser hatten, „weil wir so viel neues Zeug für Euch geplant haben.“ Hannes betont einmal mehr, dass dieses Jahr ein „unf*ckingfassbar krasses Jahr“ für die Band gewesen ist und dass es mit dem Albumchart-Platz Nr. 1 „sprichwörtlich die Krone aufgesetzt hat.“
Sieben Songs der Setlist stammen aus dem neuen Album und ich persönlich mag die Mischung aus alten und neuen Liedern, sowie den Umstand, dass sie das neue Material nicht stupide aneinanderreihen. So finden wir nach dem neuen Track My Monster die älteren Songs I will be King und Heart of Stone, bevor es mit Queen of the Night und The Devil is a Woman – beides aus dem aktuellen Album – weitergeht. Mit Only the Dead, für die Hannes die Menge auffordert: „Ich will Euch alle Springen sehen!“ geht es weiter zu Six Feet Under. Der Song stammt aus dem Jahr 2012 und wäre es nach dem damaligen Plattenlabel gegangen, wäre der Song aus dem Album gestrichen worden.
Diesen Song wollen die Fans hören
Vor dem vorerst vorletzten Song kündigt Hannes an, dass sie in den Social Media haben abstimmen lassen, welcher der neuen Titel unbedingt auf der Tour live gespielt werden soll. Ehrlicherweise war Kissin‘ Dynamite selbst überrascht: den Song hätten sie so nicht auf dem Zettel gehabt. Dafür ist die Menge umso begeisterter, dass nun The Best is yet to come gespielt wird. Währenddessen fliegen übergroße rote Luftballons in der Menge, die vom Publikum frenetisch hin und her geschubst werden.
Fotoshow Kissin´ Dynamite im Schlachthof
Warum Kissin‘ Dynamite über die Wahl verwundert ist, bleibt mir ein Rätsel. Es hat 1986 schon mit Bon Jovis Living on a Prayer funktioniert und – das meine ich keinesfalls abwertend – funktioniert fast 40 Jahre später auch heute noch: ähnliche Geschichte in einem anderen musikalischen Kleid. Mich hat dieser Titel von Anfang an begeistert und ich freue mich umso mehr, dass er es in die Setlist geschafft hat. An diesem Song erkennt man außerdem auch einmal mehr, wie ultra-krass die Stimme des Frontmanns ist. Die hohen Töne, die es im Refrain zu treffen gilt, muss man erst einmal so kraftvoll und klar erreichen. Mein inneres Glamrock-Fangirl kriegt sich gar nicht mehr ein. Mit dem darauf anschließenden Not the End of the Road, was sowohl inhaltlich als auch musikalisch gut zum vorherigen Song passt, ist der Hauptteil des Abends zu Ende und Kissin‘ Dynamite verlässt die Stage.
Für den ersten Song der Zugabe-Session Not a Wise Man findet man die Band plötzlich im hinteren Teil der Halle auf einer Side-Stage wieder, um den ruhigeren Titel dort akustisch zu performen. Irgendwie passt es zum Song und zur Stimmung, dass die Band den Unplugged-Song nicht auf der Centerstage präsentiert. Und für die hinteren Zuschauer erst recht ein Erlebnis: die Musiker platzieren sich alle im Kreis – jeder Einzelne mit dem Gesicht zur Menge.
Die endgültig letzten beiden Songs des Abends performt die Band dann wieder “mit ordentlichem Wumms“ auf der Hauptbühne, wobei der Frontmann bei You are not Alone sich über der Menge in einem Schlauchboot „crowdboarden“ lässt. Gleichzeitig beim Singen auch noch das Bad in der Menge genießen – das hat schon etwas. Mit dem absoluten Kracher Raise your Glass, bei dem die Band an ihre Anfangszeiten ihrer musikalischen Bandgeschichte erinnert, ist das Ende der Show erreicht.
Prädikat „Dreifach-Jackpot“
Der Rockkonzert-Abend bekommt von mir angesichts der beiden tollen Support-Acts sowie der Show von Kissin‘ Dynamite das Prädikat „Dreifach-Jackpot“ und ich komme aus dem freudestrahlenden Grinsen gar nicht mehr heraus. Auch wenn es gerade erst drei Monate her ist, dass ich die Kombo das letzte Mal erlebt habe, ich bereue nicht, es schon wieder getan zu haben und ich stimme Hannes zu, der bereits während der Show schon anmerkte „Yes Baby, Wiesbaden wusste schon immer, wie man feiert!“
Setlist Airstrike
- Soul Right (S*x Sells, 2024)
- Rollin‘ (Red Born Reborn, 2023)
- Promised Land (S*x Sells, 2024)
- Beyond the Way (Red Born Reborn, 2023)
- Sugar (S*x Sells, 2024)
- Motor Ride (S*x Sells, 2024)
AirStrike: Julio Noriega (vocals), Michi Loewe (guitars), Johnny Glitsch (drums) und Flo Finger (bass)
Setlist Massive Wagons
- Missing on TV
- A.S.S.H.H.O.L.E.
- Generation Prime
- Fun While it Lasted
- F*ck the Haters
- The Good die young
- Please stay Calm
- House of Noise
- Banging in Your Stereo
- In it together
Massive Wagons: Barry Mills (vocals), Adam Thistlethwaite (guitars), Stevie Holl (guitars), Adam Bouskill (bass), Alex Thistlethwaite (drums)
Setlist Kissin‘ Dynamite
- Back with a Bang
- DNA
- No one dies a Virgin
- I’ve got the Fire
- My Monster
- I will be King
- Heart of Stone
- Queen of the Night
- The Devil is a Woman
- Only the Dead
- Six Feet Under
- The Best is yet to come
- Not the End of the Road
Encore
- Not a Wise Man
- You’re not Alone
- Raise your Glass
Kissin‘ Dynamite: Hannes Braun (vocals), Ande Braun (guitar), Jim Müller (guitar), Stefan Haile (bass), Sebastian Berg (drums)








Ich kann das sehr gut verstehen das man 2 mal Kissin Dynamit geht. Es ist auch gute Laune Rockmusik die Spaßmacht. Und die Show ist gut.