Maria Nowotnick – Am 12.02.2026 erscheint das neue Hörbuch von Autor Wolfgang SCHORLAU mit dem Titel Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter. Gelesen wird das Buch von keinem Geringeren als Bjarne MÄDEL, der im Studio einige Fragen beantwortet hat.

Wie würdest Du Karsten Richter beschreiben und warum bekommt er es in Schorlaus Satire mit seiner Mutter zu tun?
Bjarne Mädel: Sven Stricker, der bei diesem Hörbuch Regie geführt hat, und ich waren uns nicht ganz einig, ob Karsten Richter ein eiskalter, berechnender Karrierist ist oder doch jemand, der in die Politik geraten ist und dort sehr geschickt das Spiel zu spielen weiß. Er trifft auf seine Mutter, weil die eine komplett andere Einstellung hat politisch. Sie ist eher „links-grün versifft“, wie man heutzutage sagt, und er ist doch eher konservativ, brutal, könnte man sagen. Seine Mutter stellt sich ihm in den Weg. Es gibt eine Entführung: Der Minister soll erpresst werden und seine Mutter wird entführt. Das ist für alle nicht leicht, weil die Mutter eine anstrengende Persönlichkeit ist. Und sie versucht ihren Sohn auf den rechten Pfad zurückzuführen. Deshalb hat er mit ihr zu tun, weil er ihretwegen immer mehr unter Druck gerät.

Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter

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Denkst Du Dich beim Hörbuchsprechen ähnlich in die Charaktere wie beim Schauspielern oder liest Du hier einfach vor? Und wie viel Schauspielerei ist Deinem Empfinden nach angemessen beim Einlesen eines Hörbuchs?
Wie viel ich mich hinein begebe in die Figuren, hängt immer ein bisschen davon ab, was für eine Art von Text es ist, also was der Text verlangt. Es gibt Texte, die sind pur gesprochen oder lakonisch wirkungsvoller und dann gibt es Texte, die sehr dialogisch aufgebaut sind, bei denen es Spaß machen kann, in die Figuren reinzugehen und auch ein bisschen zu übertreiben. Dieses Buch ist eine Satire, ich würde sagen, eine Realsatire, in der es um heutige Politik geht. Und damit das nicht so trocken rüberkommt, hat es sehr viel Spaß gemacht, die Figuren etwas auszuspielen.
Es ist schon anders als vor der Kamera, weil man da noch das Gesicht hat und unterschiedliche Haltungen spielen kann – also mit der Stimme, und die kann man dann kommentieren, mit dem entsprechenden Gesicht dazu oder was dagegenspielen. Beim Hörbuch hat man nur die Stimme, nur diese eine Ebene, und deshalb muss man manchmal ganz schön übertreiben, ›sehr groß spielen‹, würde ich sagen. Es ist vergleichbar mit dem Theaterspielen für den zweiten Rang.

Und ja, wie geht man da rein? Klar gibt es so Erzählmomente, wo nur beschrieben wird, was passiert oder wie Berlin gerade aussieht am Morgen mit Nebel und so – das versucht man ein bisschen spannend zu machen. Und in der Satire versuche ich zusätzlich ein bisschen märchenhaft zu übertreiben. Es gibt auch Momente in diesem Buch, in denen es ganz konkret um reale politische Fakten geht – die haben wir versucht sehr pur zu nehmen. Generell ist es gar nicht so leicht zu sagen: Es gibt bestimmte Figuren, die man nur skizziert, den Erpresser, zum Beispiel. Den haben wir sehr rau und rumpelig angelegt. Und dann gibt es die feisten Politiker, die in ihrem eigenen Saft sitzen, die haben wir versucht, möglichst breit und dunkel anzulegen, selbstgefällig. Aber das ist auch gerade der Spaß, die Figuren so zu skizzieren und ihnen unterschiedliche Farben zu geben, damit es für den Hörer oder die Hörerin interessant wird.

Wie wichtig ist es Deiner Meinung nach, Politik mit Humor zu betrachten? Und was ist vielleicht gleichzeitig auch die Schwierigkeit dabei?
Früher habe ich gerne Hildebrandt geguckt oder Scheibenwischer, also solche Sachen, die Satire waren und die mich zum Lachen gebracht haben. Heute finde ich die Schwierigkeit, dass die reale Welt eine Satire geworden ist. Wenn man sich anguckt, was in Amerika los ist und was Trump so veranstaltet, und dann eine Satiresendung sieht, kann ich da eigentlich gar nicht mehr drüber lachen, weil ich denke: Es ist nicht lustig, was gerade passiert. Mir bleibt das Lachen ganz oft im Hals stecken. Deshalb finde ich Satire heutzutage echt schwierig, weil ich die Sachen, die stattfinden, schon so absurd finde, dass ich oft nicht mehr drüber lachen kann. Das war auch bei diesem Hörbuch nicht in erster Linie lustig, sondern ein bisschen verstörend, wie Politik funktioniert. Das Buch ist ein bisschen ein Blick hinter die Kulissen, mit einem Augenzwinkern, mit einer Übertreibung hier und da – aber vieles stimmt einfach eins zu eins. Dass die Politik gerade extrem rückwärtsgewandt ist und auf fossile Energien setzt und die Gas-Lobby irgendwie stark gemacht wird und so – das passiert ja real! Und deshalb finde ich es gar nicht satirisch, sondern eigentlich erschreckend. Trotzdem habe ich versucht, es unterhaltsam zu lesen. Ich finde es wirklich schwierig in diesen Zeiten, Politik mit Humor zu betrachten.

Was gefällt Dir an der Arbeit im Hörbuchstudio? Was fällt Dir hier leichter oder was ist vielleicht sogar eine größere Herausforderung als auf der Bühne oder vor der Kamera?
Mir macht es sehr viel Spaß, gerade in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Sven Stricker, an Feinheiten zu arbeiten. Also zu gucken, was passiert, wenn man einen Satz trauriger anlegt oder ein bisschen melancholischer, als er eigentlich gedacht ist. Sich zu fragen, was für eine Wirkung beim Hören? Das macht mir Spaß. Und die Herausforderung ist eben, dass man schwer verschiedene Haltungen gleichzeitig spielen kann. Meistens muss man sich auf der Ebene für eine Haltung entscheiden, damit es klar wahrzunehmen ist, klar rauszuhören ist. Und das finde ich in anderen Medien einfacher.
Ein bisschen schwer zu erklären, aber man kann im Theater sehr gut lügen: Wenn es einem privat schlecht geht, kann man trotzdem eine lustige Rolle spielen, das merkt kein Mensch. Im Film ist es schon schwieriger, weil die Kamera nah dran ist und sehr genau beobachtet, wie man so drauf ist. Und wenn man nur das Mikrofon vor sich hat, ist es noch schlimmer, weil man eben sehr genau hört, ob jemand bei der Sache ist und die Sachen denkt, die er sagt, oder eben einfach nur abliest. Und da ist es mir ganz wichtig, dass auch jemand da ist, der das kontrolliert und mir sagt: „Das hast du jetzt gerade schön gelesen, aber versuch’s noch mal zu erzählen.“ Da gibt es einen sehr großen Unterschied, wenn man wirklich was zu sagen hat oder wenn man einfach versucht, durch den Text zu kommen. Ich finde es eine tolle Herausforderung, weil es ganz anders ist als für Theater oder Film zu spielen. Es ist wirklich eine eigene Kunstform und das macht mir Spaß. Gerade bei komischen Sachen zu probieren, wie Lakonie nur vor dem Mikrofon funktioniert – ob es wirkt oder dann einfach nur gelangweilt klingt.

Danke, Bjarne.