Enwie Kej – Vier Jahre haben sich die HAIM-Schwestern für ihr zweites Studioalbum Something To Tell You Zeit genommen. Und die Erwartungen sind hoch, wurde doch bereits ihre Debüt-Platte Days Are Gone millionenfach verkauft. Ich habe mir die neue Scheibe von Danielle, Alana und Este bereits anhören dürfen.

Gegenüber der BBC berichteten die Schwerstern, dass sich die Arbeit zu Beginn des Albums eher beschwerlich gestaltete. Jeder neue Songversuch endete mit dem Kommentar: „Hör damit auf – das ist Jurassic Park. Schon wieder!“ Alles klang irgendwie nach der Titelmelodie von Jurassic Park. Glücklicherweise ist davon in der Endversion der elf Album-Songs nichts mehr zu hören.

Als erster Track entstand eher zufällig Little Of Your Love. Dieser Song war ursprünglich für einen Film gedacht. Doch mit seinem modernen „Motown-Vide“ gefiel dieser den Schwestern so gut, dass er direkt auf dem Album landete. Genau dieser Beitrag ist für mich auch das Salz in einer ansonsten eher vorhersehbaren Pop-Suppe. Schön werden die einzelnen Instrumente herausgearbeitet: Klavier und im weiteren Verlauf eine Country-Gitarre. Sehr fein. Das soll jetzt nicht heißen, dass die weiteren Songs, wie Something To Tell You nichts können. Ganz im Gegenteil, der Groove kommt im Körper an und versetzt ihn erst kaum merklich in Schwingung, bis man dann im Sessel mitwippt. In Ready For You treffen Neunziger-R’n’B-Patterns auf Vokalsätze, die sich einiges vom Gospel holen. Fast-Countryrock-Gitarren und Synthies erinnern in Nothing’s Wrong zunächst an das Formatradio der 80er-Jahre, bevor ein Schnitt den Song doch recht unerwartet in die Gegenwart herüberbeamt. Erwähnenswert für mich auch der letzte Track Night So Long. Hätte man diese Ballade im klassischen Stil produziert, wäre am Ende ein wehmütiges Gefühl geblieben. Mit seinem aufgepeppten Elektropop-Syle bleibt jedoch eher ein melancholisches Wohlgefühl mit dem das Album gut ausklingt.

Bleibt die Frage, ob HAIM mit diesem Album die Erwartungen erfüllen. Nach mehrmaligem Hören der Platte von mir ein klares JEIN. Einserseits knüpft das Album mit dem bekannten Girlie-Synthie-Pop natürlich fast nahtlos an den Vorgänger an. Auf der anderen Seite fehlen mir echte Ecken und Kanten – die Gitarren mal so richtig mit Bums im Vordergrund, eine Weiterentwicklung. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass die HAIM-Erfolgsgeschichte auch mit Something To Tell You weiter geht.

Die Doppel-LP im nicht aufklappbaren Cover ist im Handel für 23 EUR inkl. beiliegendem Download-Code erhältlich.

Tracklist HAIM – Something To Tell You (Vinyl) amazon_icon

  1. Want You Back
  2. Nothing’s Wrong
  3. Little Of Your Love
  4. Ready For You
  5. Something To Tell You
  6. You Never Knew
  7. Kept Me Crying
  8. Found It In Silence
  9. Walking Away
  10. Right Now
  11. Night So Long

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