von Nils von Kriegsheim – Wir haben uns mit Volker Hinkel von FOOLS GARDEN zum Video-Interview verabredet. Gesprochen haben wir u.a. darüber, wie es zu dem Albumtitel CAPTAIN… COAST IS CLEAR kam und was Volker mit dem Albumcover verbindet. Nach der Besprechung des Albums haben wir dann den Erfolg von Lemon Tree eingeordnet und über Vinyl und Lieblingsmusik sinniert.

Konfigurationen Fools Garden – Captain… Coast Is Clear

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Nils: Volker, Euer neues Album ist seit Ende 2021 draußen. Was uns ins Auge sticht, ist schon der Titel „Captain… Coast Is Clear“. Was hat es damit auf sich?

Volker: Also, ich hatte die Idee „Coast Is Clear“. Peter (die Red. Peter Freudenthaler) war das aber noch zu wenig und so kam es dann zu „Captain… Coast Is Clear“. Dazu kommen einige Songs, die das Thema Meer, Ozean, Wasser zum Thema haben. Und als wir den Titel hatten, haben wir noch den Song „Those We Lost At Sea“ dazu genommen, der einfach gut zur Thematik passte. So ergibt das ein stimmiges Bild.

Insgesamt ist der Albumtitel ein sehr positiver, im Sinne von, die Sicht ist wieder klar, es geht weiter. Auch wenn der Song „Those We Lost At Sea“ vielleicht in eine andere Richtung geht. Dazu gibt auch das Coverbild diese positive Grundstimmung wieder.

Gab es also zuerst den Albumtitel oder die Songs?

Nein, nein – zuerst gab es schon die Songs, bis eben auf „Those We Lost At Sea“, der kam danach. Ich hatte den Song einfach schon lange im Kopf. Und dann dachte ich, wenn jetzt schon das Album so heißt, dann muss der jetzt einfach mal raus. Der Song ist einer meiner persönlichen Highlights.

Ist das Coverbild eigentlich Portugal und hast du das vielleicht sogar selbst gemacht?

Stimmt, das ist der Blick von meinem Lieblingsrestaurant an der Silver Coast in Portugal. Ich habe das Bild selbst mit dem Handy vom Parkplatz aus aufgenommen.

Coverbild "Captain... Coast Is Clear". (c) Volker Hinkel
Coverbild „Captain… Coast Is Clear“. (c) Volker Hinkel

Gab es besondere Herausforderungen bei der Produktion des Albums?

Ja, die Pandemie hat uns in der Produktion schon beeinflusst. Bei unserem Vorgänger Album „Rise and Fall“ haben wir uns noch gemeinsam im Schwarzwald getroffen und hatten am Ende 12 Songs mit fertigem Layout. Die finale Ausarbeitung erfolgte dann im Studio. Das war sehr effektiv und so wollte ich es eigentlich auch jetzt wieder machen. Aber dann kam ja die Pandemie.

Den Song „Outta Love“ für das aktuelle Album hatten wir schon fast fertig, hatten ihn sogar schon live zusammen gespielt und dann kam der Lockdown. Wir haben den Song dann Remote produziert, d.h. wir haben uns die Musikfiles hin- und hergeschickt. Das war für uns jetzt aber kein Problem, weil wir das öfter so machen. Unser Schlagzeuger, der Jan (die Red. Jan Hees) hat bei sich im Studio auch viel bessere Aufnahmemöglichkeiten für sein Schlagzeug. Und auch unser Bassist Dirk (die Red. Dirk Blümlein) war nicht einmal vor Ort.

Ist das Album eine Fortführung vom Vorgänger „Rise and Fall amazon_icon“? Denn auch hier waren auf der B-Seite ja schon deutlich elektronische Einflüsse vorhanden.

Ja genau, und deshalb hätte es auch nicht anders geklungen, wenn wir alle gemeinsam im Studio gewesen wären. Ich habe in den letzten 3 Jahren auch viel an Filmmusik gearbeitet und dabei Stimmungsbilder entworfen, ohne schon eine konkrete Filmsequenz dafür gehabt zu haben. Und immer wenn Peter ins Studio kam, hat er dazu was gesungen. So sind dann auch epische Songs entstanden, die eigentlich aus der Filmmusik kommen.

Gibt es zu meinem Lieblingstitel „Electrify“ eine besondere Geschichte? Ist der am Ende auch aus einem Schnipsel Filmmusik entstanden?

Nein, da waren wir zu dritt hier im Studio und haben unser Electronic-Equipment aufgebaut. Ich hatte einen Beat und einen Bass-Riff und daraus haben wir dann den Song entwickelt. Das ist auch ein guter Track für Live-Shows, weil der auch nach vorne geht – das wollten wir unbedingt haben. Die Herausforderung war hierbei der Mittelpart, bei uns hieß der „David Bowie-Part“. Wie sollten wir den Technopart am Anfang mit dem „David Bowie-Part“ und dem „Pet Shop Boys-Chorus“ verbinden? Da haben wir lange für gebraucht, auch Peter musste das textlich verbinden. Am Ende hatte er die Idee mit „David cut the line and everything went out of control“. Und so fügten sich die Teile dann zusammen. Wir haben den Song mittlerweile vielleicht zehn mal live gespielt und er macht hammermäßig Spaß.

Mal ein ganz anderes Thema: Ihr wart mit „Lemon Tree“ recht früh sehr erfolgreich. Mit dem Blick heute zurück, war das eher Fluch oder Segen?

Naja, vor „Lemon Tree“ gab es die Band ja auch schon fünf Jahre – erfolglos. Insofern hat uns das unglaublich gut getan. Wir waren und sind eben keine Cover-Band, sondern haben von Anfang an nur eigene Songs gemacht. So war es natürlich schwer, erste Gigs zu bekommen. Und wenn dann so ein Erfolg kommt, ist das einfach eine tolle Bestätigung. Dabei war „Lemon Tree“ am Anfang ein Flop, selbst der Rest der Band fand den nicht gut. Der Erfolg kam dann erst dadurch, dass er im Radio gespielt wurde. Es war der richtige Sound zum richtigen Zeitpunkt, obwohl der so gar nicht in die Zeit gepasst hat. Den Song haben wir drei Jahre vorher geschrieben, so lange hat es gebraucht. Insofern war es schon ein Segen.

Auf der anderen Seite aber auch Fluch, weil der Erfolg so schnell kam und uns völlig unvorbereitet getroffen hat. Auf einmal waren wir bei MTV in London usw. und wir waren Amateure. Insgesamt sind wir aber sehr froh, dass wir diesen Song haben, der für uns auch immer noch ein Türöffner ist.

Euer aktuelles Album findet man nicht in den Charts. Sind Chartplatzierungen wichtig für euch, oder wie definiert Ihr Erfolg?

Erfolg ist bei uns tatsächlich ein wenig anders definiert. Ich meine, wenn ein Album in die Charts geht, ist das natürlich toll! Wir hätten uns auch gefreut, wenn wir das mit „Captain… Coast Is Clear“ geschafft hätten. Aber es ist nicht das Maß aller Dinge. Wir sehen das langfristiger. Irgendwann hat sich das Album bezahlt. Jeder ist zufrieden und wir haben ein schönes Album gemacht. Was momentan wirklich fehlt, sind die Live-Auftritte. Denn gerade dort wird vor allem auch Vinyl verkauft.

Woher nimmt man nach 30 Jahren Bandgeschichte und dem 11. Album noch diese kreative Kraft?

Unserem guten Freund und ehemaligem Musikproduzent James Herter habe ich das Video von „Electrify“ geschickt. Zurück kam die Antwort: “Ihr seid einfach unkaputtbar.“ Er ist mittlerweile in Rente und kann es gar nicht begreifen, dass man immer weiter machen kann. Bei uns geht es aber um die Songs und um die Musik und darum etwas Neues zu schaffen. Und es gibt für mich nichts Schöneres, als wenn ich abends aus dem Studio gehe und mir den neuen Song im Auto anhöre. Ich finde auch, dass wir uns mit unseren Alben immer noch steigern und weiterentwickeln. Und solange wir noch Ideen haben, hat keiner daran gedacht aufzuhören. Unsere Herausforderung ist eher, wie wir als Band wieder zusammenspielen für die Live-Events. Denn das haben wir lange nicht gemacht und das muss sich dann auch erstmal wieder eingrooven. Auch eine Setlist mit den alten und den neuen Songs aufzustellen, ist eine Aufgabe. Aber wir freuen uns darauf, wenn es endlich wieder mit Open Air Konzerten im Sommer los geht.  

Wie ist dein persönliches Verhältnis zur Vinyl?

Ich kaufe nur Vinyl, ich kaufe nichts anderes. Und ich höre mir die Platte auch nicht vorab als Download an, sondern warte, bis die LP bei mir auf dem Plattenteller liegt. Dann nehme ich mir auch die Zeit, die Vinyl anzuhören und machte das nicht nebenher. Bei mir stehen auch überall Plattenspieler – Im Studio, im kleinen Studio, im Esszimmer. Ich habe keinen CD-Spieler.

Wie ist das denn eigentlich mit der Doppel-Vinyl? Gehört das mittlerweile zum guten Ton, dass Alben fast immer als Doppel-LP veröffentlicht werden – eure ist ja auch doppelt. Oder hätte das auch auf eine Scheibe gepasst?

Also ein Freund von mir, der unsere Platte auch gepresst hat, hat in Pforzheim sein Presswerk. Und als unsere Titel und die Reihenfolge fertig waren, habe ich ihn gefragt, wie das auf die Platte passt. Seine Antwort war „Gar nicht, sonst wird die Klang-Qualität zu schlecht.“ Die Entscheidung war also drei bis vier Songs wegzulassen (wie beim letzten Album), oder eine Doppel-LP zu produzieren. Titel weglassen wollten wir diesmal nicht und so haben wir die Plattenfirma überredet, dass wir eine Doppel-LP machen.

Welche Musik ist denn bei Dir gerade angesagt, wenn es nicht die eigene ist?

Ich habe mir z.B. gerade die ganzen Radiohead Platten gekauft, die als Remaster erschienen sind. Dann bin ich ein großer Coldplay-Fan. Nicht unbedingt vom aktuellen Album aber „Everyday Life“ ist ne Granate. Übrigens auch eine Doppel-Vinyl wo die Platten dann auch unterschiedlich heißen „Sunrise und Sunset“, wie geil ist denn das? Und The National mag ich sehr.

Was liegt bei euch jetzt an?

Eigentlich wollten wir zu dem neuen Album eine kleine Clubtour machen, hatten das aber letztes Jahr schon gecancelt, wäre wegen Corona eh nichts geworden. Dann waren jetzt im März ein paar Konzerte geplant, die aber auch verschoben wurden. Aber wir gehen davon aus, dass es ab Mai dann wieder los geht, hauptsächlich open air (Konzerttermine bei eventim). Wir sind gerade dabei einen Tourbus zu mieten. Clubshows sehe ich leider noch nicht wieder so richtig.

Lieber Volker, vielen Dank für Deine Zeit. Wir wünschen Dir persönlich und Euch als Band viel Erfolg und Mega-Fun bei den kommenden Konzerten.

Übrigens habe ich gehört, dass Volker demnächst auch bei unserem Kooperationspartner, den Schweizer Podcastern von Vinylopresso.ch, im Shuttle zu Besuch sein wird. Hört da gerne mal rein.

Tracklist Fools Garden – Captain… Coast Is Clear

1. An Endless Sea
2. Electrify
3. Mountain
4. Shimmering Lights / Everything You Wanted
5. Home Again
6. Outta Love
7. Fireflies
8. Fire
9. Higher
10. Here In Your Arms
11. Beautiful
12. House Of Cards
13. Those We Lost At Sea

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