Judith Klein – Orchestral Manoeuvres in the Dark (OMD) gastierten am 11.08.2026 im Hanauer Amphitheater vor einzigartiger, stimmungsvoller Kulisse. Die Setlist ist eine wunderschöne, musikalische Best-of-OMD-Reise und macht einfach gute Laune.

Offen gesagt: Mit dem heutigen Konzertbesuch bewege ich mich aus meiner Komfortzone, die sich doch überwiegend im rockigeren Genre befindet. Stattdessen: Synthiepop, New Wave und 80er-Jahre-Feeling bei bestem Wetter in Hanau. Mein inneres Rock-Mädchen war sich im Vorfeld nicht sicher, ob es belustigt mit dem Kopf schütteln oder mir doch ein „High Five“ geben sollte.

Warten auf das Highlight

Den Anfang macht der Support-Act Zoot Woman, eine britische Popband, die in den 90ern gegründet wurde. Die Band ist wie der spätere Haupt-Act ebenfalls im Synthiepop zuhause und passt damit zumindest stilistisch nahtlos zum Konzertabend. Die beiden Musiker präsentieren sich in quietschbunten Anzügen auf der Bühne, bleiben dabei allerdings weitgehend statisch. Auch musikalisch kann mich der Auftritt leider nicht richtig erreichen. So bleibt bei mir vor allem die Vorfreude auf OMD.

OMD – The punishment of luxury

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The Punishment of LuxurySynthie-Popper OMD präsentieren neue Klangwelt

OMD lässt uns auch erst einmal eine ganze Weile zappeln. Für einige wohl ein wenig zu lange, was man unschwer an einigen Buh-Rufen und Pfiffen erkennen kann, aber schlussendlich geht es dann kurz vor 21 Uhr los. Der Bühnenaufbau ist eher unspektakulär gehalten; das Highlight selbst ist die Videowand, die fast die gesamte Bühnenrückwand einnimmt und während der Show bunte Bilder, Comics, Filmausschnitte passend zu den Songs liefert. Allein das überwiegend frohe Farbenbild sorgt schon für gute Laune. Der Frontmann Andy McCluskey performt den ersten Song Isotype ohne große Aufwärmphase direkt on point. Mit seinem ihm eigenwilligen, exzentrischen Tanzstil bezieht er die ganze Bühne mit ein und sorgt so dafür, dass der Funke direkt auf das Publikum überspringt. Die stufenförmige Bauweise der Tribüne im Amphitheater unterstreicht dabei die Künstler-Nähe und sorgt für eine schon fast familiäre Stimmung.

Keineswegs angestaubt

Nach dem ersten Song, der aus dem Jahr 2017 stammt, schickt uns OMD mit Messages und Tesla Girls direkt in die 80er Jahre zurück, bevor es mit History of Modern Part I wieder ins Jahr 2010 geht. Spätestens jetzt wird klar: Das Geburtsjahr eines Songs sagt bei OMD absolut gar nichts aus. Im Gegenteil: einmal mehr wird mir bewusst, wie zeitlos und lebendig deren Songs sind.

Für den nächsten Klassiker tauschen Andy McCluskey und Paul Humphreys die Plätze, damit Letzterer (Forever) Live and Die aus 1986 zum Besten geben kann. Aus dem gleichen Jahr stammt einer meiner Lieblingssongs If you leave, bei dem auf der Videowand Sequenzen aus dem Film „Pretty in Pink“ gezeigt werden. Kaum zu glauben, dass Film und Lied in diesem Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum feiern.

Außergewöhnlich erfolgreich

Mit Souvenir, Joan of Arc und Maid of Orleans (The Waltz Joan of Arc) folgen nun gleich drei Hits aus dem 1981er-Meisterwerk Architecture & Morality. Maid of Orleans ist dabei sicherlich der atypischste OMD-Song: Mit seinem ungewöhnlichen 6/8-Walzertakt, seiner dramatischen Synthesizer-Dudelsack-Melodie und dem markanten Trommelrhythmus fällt er einfach aus der Reihe – und ist gleichzeitig der erfolgreichste Song der Band im deutschsprachigen Raum.

Ruhigere Töne stimmt die Band danach mit Veruschka an, bevor das Konzert mit Talking Loud and Clear, So in Love, Dreaming und Locomotion wieder zurück in den rhythmischen Elektropop driftet. Mit dem grandiosen Doppelpack Sailing on the Seven Seas und dem ewigen Klassiker Enola Gay verlässt die Band vorerst die Bühne. Zu dieser Zeit haben wir bereits 16 Songs in fast 90 Minuten genossen, und es ist kaum zu glauben, dass der Abend sich schon dem Ende neigt.

Ein elektrisierendes Finale

Natürlich entlässt Hanau die Band nicht ohne Zugabe. Und OMD liefert: Mit drei perfekt gewählten Titeln heizen sie der Menge zum Schluss noch einmal so richtig ein. Auf Walking on the Milky Way folgt Pandora’s Box – der Melodie und dem Beat kann sich niemand entziehen. Mit Electricity schließt sich der Kreis und es ist schon fast als Geniestreich zu bezeichnen, dass der älteste erfolgreiche Klassiker den Abschluss des Abends bildet. Nach diesem energetischen Finale verabschiedet sich die Band endgültig – und hinterlässt eine absolut begeisterte Menge.

Gefühl vor Genre

Was soll ich sagen? Der musikalische Trip in die 80er holt auch eingefleischte Rockfans ab. Am Ende verbindet uns doch alle die Liebe zu eingängigen Melodien und einem druckvollen Sound. Mein inneres Rock-Mädchen hat sich schlussendlich zu einem „High Five“ hinreißen lassen. Ich hatte nicht im Ansatz erwartet, dass Urgesteine des Elektropops zu einem so energiegeladenen, kurzweiligen Auftritt imstande sind. Einmal mehr zeigt ein solcher Abend: Auf der Bühne zählt vor allem das Gefühl und nicht das Genre.

Orchestral Manoeuvres in the Dark (OMD)

Andy McCluskey (vocals, bass, keys)
Paul Humphreys (vocals, keys, synth)
Martin Cooper (saxophone)
Stuart Kershaw (drums)

Setlist OMD Orchestral Manoevres in the Dark in Hanau

  1. Isotype (2017)
  2. Messages (1980)
  3. Tesla Girls (1984)
  4. History of Modern (Part I) (2010)
  5. (Forever) Live and Die (1986)
  6. If You Leave (1986)
  7. Souvenir (1981)
  8. Joan of Arc (1981)
  9. The Walz of Joan of Arc (Maid of Orleans) (1981)
  10. Veruschka (2023)
  11. Talking Loud and Clear (1984)
  12. So in Love (1985)
  13. Dreaming (1988)
  14. Locomotion (1984)
  15. Sailing on the Seven Seas (1991)
  16. Enola Gay (1980)

Encore

  1. Walking on the Milky Way (1996)
  2. Pandora’s Box (1991)
  3. Electricity (1979)

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